Cannabis-Beleuchtung: LED, Watt und PPFD verständlich erklärt
Draußen liefert die Sonne kostenlos alles, was deine Pflanzen brauchen. Indoor musst du sie ersetzen, und genau hier entscheidet sich dein Ertrag. Der Markt ist gleichzeitig voll mit Fantasie-Wattzahlen und Marketing-Sprech, deshalb schauen wir uns die Kennzahlen an, die wirklich zählen.
Licht ist die Energiequelle der Photosynthese. Aus Photonen, Wasser und CO2 baut die Pflanze Zucker und damit Biomasse, also am Ende deine Buds. Mehr nutzbares Licht bedeutet bis zu einem Sättigungspunkt schlicht mehr Ertrag. Genetik, Dünger und Töpfe können nur ausschöpfen, was die Lampe vorher liefert. Wer bei der Beleuchtung spart, spart deshalb direkt am Endergebnis. Wenn du ganz am Anfang stehst, findest du im Anfänger-Guide den kompletten Überblick über die restliche Ausstattung.
LED ist heute der Standard
Jahrzehntelang wurde indoor mit Natriumdampflampen (NDL bzw. HPS) angebaut. Die Dinger funktionieren, verwandeln aber einen großen Teil des Stroms in Hitze und sind heute nur noch historisch interessant. Moderne LED-Panels sind deutlich effizienter, produzieren wenig Abwärme, liefern ein Vollspektrum, das für alle Phasen passt, halten viele Jahre und lassen sich meist dimmen. Für praktisch jeden Homegrow ist eine gute LED Grow Lampe heute die richtige Wahl.
Watt, PPF, PPFD und Effizienz verstehen
Watt
Watt sagt nur, wie viel Strom die Lampe zieht. Es ist eine Verbrauchsangabe, keine Lichtleistung. Zwei Lampen mit 150 W können völlig unterschiedlich viel nutzbares Licht abgeben.
PPF
Der Photonenfluss (PPF) beschreibt, wie viele photosynthetisch nutzbare Photonen die Lampe insgesamt pro Sekunde abgibt, gemessen in µmol/s. Das ist die tatsächliche Lichtleistung der Lampe.
PPFD
Die Photonenflussdichte (PPFD) beschreibt, wie viele dieser Photonen tatsächlich auf einer bestimmten Fläche ankommen, gemessen in µmol/m²/s. Das ist die Zahl, die für deine Pflanzen zählt, denn sie hängt von Abstand, Fläche und Lichtverteilung ab. Seriöse Hersteller veröffentlichen PPFD-Karten für verschiedene Aufhängehöhen.
Effizienz
Die Effizienz in µmol/J sagt dir, wie viel Licht die Lampe pro eingesetzter Wattstunde erzeugt. Gute aktuelle LEDs liegen bei etwa 2,5 bis 2,8 µmol/J. Alles deutlich darunter ist veraltete Technik, alles deutlich darüber ist mit Vorsicht zu genießen.
PPFD-Richtwerte für jede Phase
Zu wenig Licht kostet Ertrag, zu viel stresst die Pflanze. Diese Spannen haben sich als Richtwerte bewährt:
| Phase | PPFD in µmol/m²/s |
|---|---|
| Sämlinge und Stecklinge | 200 bis 400 |
| Wachstum | 400 bis 600 |
| Blüte | 600 bis 900 |
Werte über 900 µmol/m²/s kann die Pflanze nur verwerten, wenn du zusätzlich CO2 zuführst. Ohne CO2-Anreicherung bringt noch mehr Licht keinen Mehrertrag, sondern nur Stress und eine höhere Stromrechnung.
Wie viel Watt für welches Zelt
Als Faustregel für moderne LEDs rechnest du grob mit 25 bis 35 echten Watt pro 30 x 30 cm Grundfläche. Daraus ergeben sich diese Spannen:
- 60 x 60 cm: etwa 100 bis 150 W
- 80 x 80 bis 100 x 100 cm: etwa 240 bis 320 W
Gemeint ist immer die tatsächliche Leistungsaufnahme aus der Steckdose, nicht die Fantasie-Watt aus dem Produktnamen. Eine Lampe, die als "1000W LED" beworben wird und real 100 W zieht, ist eine 100-W-Lampe.
Abstand zur Pflanze und Lichtstress
Halte dich zuerst an die Herstellerangabe, bei LEDs sind typischerweise 30 bis 60 cm Abstand zur Pflanzenspitze üblich. Sämlinge brauchen mehr Abstand oder eine gedimmte Lampe, in der Blüte darfst du näher ran. Zu viel Licht erkennst du an gebleichten, fast weißen Triebspitzen und an Blättern, die sich nach oben einrollen wie ein Taco. Siehst du solche Anzeichen, hängst du die Lampe höher oder dimmst sie runter. Lieber ein paar Zentimeter mehr Abstand als verbrannte Buds.
Lichtzyklen und Stromkosten
Photoperiodische Pflanzen steuerst du über die Beleuchtungsdauer: 18/6 (18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit) in der Wachstumsphase, 12/12 zum Einleiten der Blüte. Was dann Woche für Woche passiert, liest du im Guide zur Blütephase.
Die Stromkosten rechnest du in einer Minute selbst aus: Leistung mal Stunden mal Strompreis. Beispiel mit einer 150-W-Lampe im Wachstum: 0,15 kW x 18 h = 2,7 kWh pro Tag. Bei 35 Cent pro kWh sind das rund 95 Cent am Tag, also etwa 28 Euro im Monat. In der Blüte mit 12 Stunden sinkt der Verbrauch auf 1,8 kWh, rund 19 Euro im Monat. Dazu kommen Kleinigkeiten wie die Abluft, die aber deutlich weniger zieht.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Eine gute LED erkennst du nicht am Preisschild, sondern an nachvollziehbaren Daten:
- Effizienzangabe: Der Hersteller nennt einen konkreten Wert in µmol/J, idealerweise 2,5 oder besser.
- Echte Messwerte: PPFD-Karten und PPF-Angaben statt reißerischer Fantasie-Wattzahlen.
- Dimmer: Damit passt du eine stärkere Lampe an Sämlinge und kleine Pflanzen an.
- Passive Kühlung: Boards mit großem Aluminium-Kühlkörper kommen ohne Lüfter aus, das bedeutet kein Verschleißteil und kein zusätzliches Geräusch.
- Markenchips: Dioden von Samsung oder Osram sind ein gutes Zeichen für seriöse Qualität.
Mit einer effizienten LED in der passenden Größe, den PPFD-Richtwerten je Phase und einem Blick auf die Blattspitzen hast du den wichtigsten Ertragsfaktor im Griff. Der Rest ist Feintuning.
Häufige Fragen
Wie viele Watt braucht eine LED für ein 60 x 60 cm Growzelt?
Für ein 60 x 60 cm Zelt reichen etwa 100 bis 150 echte LED-Watt. Gemeint ist die tatsächliche Leistungsaufnahme aus der Steckdose, nicht die beworbene Fantasie-Wattzahl. Mit einem Dimmer kannst du die Lampe für Sämlinge herunterregeln.
Was ist der Unterschied zwischen PPF und PPFD?
PPF beschreibt in µmol/s, wie viele nutzbare Photonen die Lampe insgesamt pro Sekunde abgibt. PPFD beschreibt in µmol/m²/s, wie viele davon tatsächlich auf der Pflanzenfläche ankommen. Für deine Pflanzen zählt die PPFD, sie hängt von Abstand und Lichtverteilung ab.
Woran erkenne ich, dass meine LED zu nah an den Pflanzen hängt?
Typische Anzeichen für Lichtstress sind ausgebleichte, fast weiße Triebspitzen und Blätter, die sich nach oben einrollen. In dem Fall hängst du die Lampe höher oder dimmst sie herunter. Bei LEDs sind je nach Modell 30 bis 60 cm Abstand üblich.


