Cannabinoide

Budapester Meta-Analyse: Cannabinoide zeigen konsistente Anti-Tumor-Effekte bei Glioblastom und Brustkrebs

Eine im Mai 2026 veröffentlichte Meta-Analyse aus Budapest und Pécs zeigt: Cannabinoide wie CBD und THC können in präklinischen Modellen das Wachstum von Glioblastomen und Brustkrebszellen signifikant hemmen.

Cannabinoide gegen Glioblastom und Brustkrebs: Budapester Meta-Analyse zeigt konsistente Anti-Tumor-Effekte
Foto: Jess Loiterton (https://www.pexels.com/de-de/@jess-vide) via Pexels

Forschende der Semmelweis-Universität in Budapest und der Universität Pécs haben in einer am 15. Mai 2026 im Fachjournal Pharmaceuticals publizierten Meta-Analyse die präklinische Evidenz zu Cannabinoiden in der Krebsforschung bewertet. Die systematische Auswertung umfasst Daten zu den Wirkstoffen Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC) in Zell- und Tiermodellen verschiedener Tumorarten. Im Fokus stehen insbesondere Glioblastome und Brustkrebs, bei denen sich in mehreren unabhängigen Studien konsistente Anti-Tumor-Effekte nachweisen lassen.

Quantitative Effekte: Deutliche Tumorreduktion in Modellen

Die Ergebnisse der Meta-Analyse sind präzise beziffert. Bei experimentellen Glioblastom-Modellen verringerte die Behandlung mit Cannabinoiden das durchschnittliche Tumorvolumen um 980,58 Kubikmillimeter. In Brustkrebsmodellen lag die Reduktion bei 402,64 Kubikmillimetern. Besonders auffällig ist der Effekt, wenn CBD oder THC mit dem Chemotherapeutikum Doxorubicin kombiniert werden: Hier wurde im Mittel eine Tumorverkleinerung um 1295,19 Kubikmillimeter beobachtet. Diese Zahlen stammen aus präklinischen Studien, also aus Zellkulturen und Tiermodellen, nicht aus klinischen Studien am Menschen.

Cannabinoide: Unterschiede zwischen CBD und THC

Ein zentrales Ergebnis betrifft den Vergleich der beiden bekanntesten Cannabinoide. CBD zeichnet sich durch ein konsistenteres und breiteres Wirksamkeitsprofil aus: Es zeigte in den meisten untersuchten Tumorarten eine hemmende Wirkung auf das Tumorwachstum. THC hingegen wies deutlich variablere Effekte auf, die stark vom verwendeten Modell, der Dosierung und der Tumorlinie abhingen. Die Forschenden sehen deshalb in CBD das größere Potenzial für eine standardisierte adjuvante Therapie. THC bleibt relevant, erfordert aber eine präzisere Dosiskontrolle und Modellanpassung.

Unterschiede nach Tumorart: Glioblastom und Brustkrebs profitieren am stärksten

Die Analyse der ungarischen Arbeitsgruppe zeigt, dass insbesondere Glioblastome – eine der aggressivsten Hirntumorarten – am deutlichsten auf Cannabinoid-Therapien ansprechen. Das Tumorvolumen konnte hier in verschiedenen Modellen am konsistentesten reduziert werden. Auch bei Brustkrebsmodellen bestätigte sich eine statistisch signifikante Wirkung, insbesondere in Kombination mit etablierten Chemotherapeutika. Für Lungen- und Prostatakarzinome liegen unterstützende, aber heterogenere Daten vor. Das heißt, dass die Effekte dort weniger eindeutig sind und von weiteren Untersuchungen abhängen.

Präklinische Evidenz und Limitationen

Die ungarische Meta-Analyse unterstreicht, dass die bislang vorliegenden Daten aus präklinischen Studien stammen. Das bedeutet, die Ergebnisse beziehen sich auf Zellkultur- und Tiermodelle, nicht auf Menschen. In den untersuchten Modellen konnten Cannabinoide das Tumorwachstum hemmen, aber die Übertragbarkeit auf Patientinnen und Patienten bleibt offen. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass keine Cannabinoid-Therapie derzeit eine Standardbehandlung in der Onkologie ersetzen kann. Vielmehr sehen sie ein Potenzial für eine ergänzende, sogenannte adjuvante Anwendung, also eine Zusatztherapie neben der klassischen Chemotherapie. Auch warnen sie davor, jede Kombination von Cannabinoiden mit Chemotherapeutika als automatisch vorteilhaft zu betrachten. Einzelne Modelle zeigten neutrale oder sogar antagonistische Effekte.

Einordnung im Forschungsfeld: Wachsende Evidenzbasis

Die Meta-Analyse aus Budapest und Pécs füllt eine Lücke in der systematischen Bewertung der Anti-Tumor-Effekte von Cannabinoiden. Bereits 2021 publizierte eine israelische Arbeitsgruppe Daten, wonach das Cannabinoid Cannabigerol (CBG) das Wachstum von Glioblastomzellen hemmen kann. Andere Studien aus den Jahren 2021 bis 2026 zeigten, dass weitere Cannabinoide wie Cannabichromen (CBC) und CBG die Wirkung von Silber gegen Krankenhauskeime verstärken können. Die aktuelle Arbeit bündelt diese Entwicklung und liefert erstmals eine quantitative Übersicht zu den wichtigsten Effekten von CBD und THC.

Perspektive für die klinische Anwendung

Für Patientinnen und Patienten mit aktiver Krebserkrankung ändert sich durch die Meta-Analyse kurzfristig wenig. Die Studienautoren betonen, dass für eine klinische Anwendung kontrollierte klinische Studien notwendig sind. In Deutschland ist Medizinalcannabis seit Jahren Teil der Schmerz- und Symptomkontrolle bei Krebs. Die adjuvante Anti-Tumor-Anwendung steht jedoch noch nicht in den Leitlinien der Standardtherapie. Erste klinische Studien der Phase II zu CBD bei Glioblastom laufen bereits an einigen europäischen Krebszentren. Sollten diese Studien die präklinisch beobachteten Effekte bestätigen, würde sich das Potenzial für eine Erweiterung der Therapieleitlinien ergeben.

Stimmen aus der Onkologie und Forschung

Onkologinnen und Onkologen in Deutschland und Europa beobachten die Entwicklung mit Interesse. Die Arbeitsgruppe um Dr. András Sárosi (Budapest) spricht von einem Signal an die medizinische Forschung, zusätzliche klinische Studien zu Cannabinoid-Kombinationen mit Standard-Chemotherapeutika zu initiieren. In Expertenkreisen wird betont, dass die Sicherheit, Dosierung und tatsächliche Wirksamkeit beim Menschen noch sorgfältig geprüft werden müssen, bevor eine breite Anwendung möglich ist.

Vergleich mit anderen Studien und internationalen Entwicklungen

Der internationale Forschungsstand reflektiert die Ergebnisse der ungarischen Meta-Analyse. Studien aus Israel, den USA und Kanada untersuchen seit Jahren die potenziellen Wirkungen von Cannabinoiden in der Onkologie. In den USA laufen mehrere klinische Studien, die die Kombination von Cannabinoiden mit konventionellen Krebstherapien testen. In Deutschland beschäftigt sich das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit der Erfassung und Bewertung von Daten zu Medizinalcannabis. Bislang gilt Medizinalcannabis als Zusatztherapie bei chronischen Schmerzen und zur Linderung krebsbedingter Symptome, nicht als direkte Anti-Tumor-Therapie.

Aktueller Stand und Ausblick

Die Budapester Meta-Analyse liefert eine evidenzbasierte Grundlage für weitere Forschung zur Rolle von Cannabinoiden in der Krebstherapie. Bis zur Integration in die Standardtherapie sind jedoch weitere kontrollierte klinische Studien notwendig. Die Autoren der Studie sehen insbesondere bei CBD ein hohes Potenzial für die Entwicklung standardisierter Therapieschemata als Ergänzung zur klassischen Chemotherapie bei bestimmten Tumorarten. Für die tägliche Praxis bleibt Medizinalcannabis vorerst auf die Schmerz- und Symptomkontrolle beschränkt. Die Forschung an der Schnittstelle von Cannabinoiden und Onkologie wird in den kommenden Jahren weiter intensiviert werden.

CBD-Kristall auf Petrischale
Sind Cannabinoide bereits als Krebstherapie zugelassen?

Nein, in Deutschland und den meisten Ländern sind Cannabinoide bislang nur als Zusatztherapie zur Linderung von Schmerzen und Symptomen zugelassen. Sie ersetzen keine Standard-Krebstherapie.

Was ist der Unterschied zwischen CBD und THC in der Tumorbehandlung?

CBD zeigt in präklinischen Studien ein breiteres und konsistenteres Anti-Tumor-Profil. THC wirkt variabler, abhängig von Dosis, Tumorart und Modell.

Gibt es Hinweise auf Nebenwirkungen?

Die Meta-Analyse bewertet ausschließlich präklinische Effekte. Aussagen zu Nebenwirkungen bei Patientinnen und Patienten lassen sich daraus nicht ableiten.

Wann könnten Cannabinoide in die Leitlinien aufgenommen werden?

Das hängt von den Ergebnissen laufender klinischer Studien ab. Erste Phase-II-Studien zu CBD beim Glioblastom sind in Europa bereits angelaufen.

Quellen

Reduktion des Tumorvolumens durch Cannabinoid-Behandlung in präklinischen Modellen
TumorartWirkstoffKombinationEffekt (Reduktion Tumorvolumen, mm³)
GlioblastomCBD/THCallein980,58
BrustkrebsCBD/THCallein402,64
BrustkrebsCBD/THCmit Doxorubicin1295,19
LungenkrebsCBD/THCvariabelunterstützende Evidenz
ProstatakrebsCBD/THCvariabelunterstützende Evidenz
Sind Cannabinoide bereits als Krebstherapie zugelassen?

Nein, in Deutschland und den meisten Ländern sind Cannabinoide bislang nur als Zusatztherapie zur Linderung von Schmerzen und Symptomen zugelassen. Sie ersetzen keine Standard-Krebstherapie.

Was ist der Unterschied zwischen CBD und THC in der Tumorbehandlung?

CBD zeigt in präklinischen Studien ein breiteres und konsistenteres Anti-Tumor-Profil. THC wirkt variabler, abhängig von Dosis, Tumorart und Modell.

Gibt es Hinweise auf Nebenwirkungen?

Die Meta-Analyse bewertet ausschließlich präklinische Effekte. Aussagen zu Nebenwirkungen bei Patientinnen und Patienten lassen sich daraus nicht ableiten.

Wann könnten Cannabinoide in die Leitlinien aufgenommen werden?

Das hängt von den Ergebnissen laufender klinischer Studien ab. Erste Phase-II-Studien zu CBD beim Glioblastom sind in Europa bereits angelaufen.