Politik

Portugal verbietet HHC: Gesetz Nr. 19-F/2026 stuft Cannabinoid als kontrollierte Substanz ein

Am 8. Mai 2026 hat Portugal das semisynthetische Cannabinoid HHC in die Liste II-A der kontrollierten Substanzen aufgenommen. Damit folgt das Land dem europäischen Trend zu strengeren Regelungen für neue Cannabinoide.

Portugal verbietet HHC: Semisynthetisches Cannabinoid landet in Tabelle II-A
Foto: Yash Lucid (https://www.pexels.com/de-de/@yash-lucid-656883) via Pexels

Am 8. Mai 2026 veröffentlichte die portugiesische Regierung das Gesetz Nr. 19-F/2026 und ergänzte damit das seit 1993 bestehende nationale Drogengesetz. Hexahydrocannabinol (HHC) wurde offiziell in die Tabelle II-A der Liste kontrollierter Substanzen aufgenommen. Bereits am 9. Mai 2026 trat die neue Regelung in Kraft. Portugal schließt damit eine Lücke im europäischen Rechtsrahmen für neuartige Cannabinoide. In den vergangenen zwei Jahren hatten bereits Staaten wie Deutschland und Österreich ähnliche Schritte vollzogen.

Das neue Gesetz: Was sich konkret ändert

Mit der Aufnahme von HHC in die Tabelle II-A ist die Produktion, der Import, Export, Vertrieb, Verkauf, Besitz und Konsum von HHC außerhalb gesetzlich genehmigter Kontexte in Portugal verboten oder zumindest ordnungswidrig. Der vollständige chemische Name, 6a,7,8,9,10,10a-Hexahydro-6,6,9-trimethyl-3-pentyl-6H-dibenzo[b,d]pyran-1-ol, wurde explizit ins Gesetz aufgenommen. Damit wird HHC wie andere Stoffe dieser Liste behandelt und fällt unter die strengen Kontrollmechanismen des portugiesischen Drogenrechts.

Die portugiesische Regierung stützt die Gesetzesänderung auf die Empfehlungen der UN-Suchtstoffkommission, die in den Jahren 2024 und 2025 verschiedene neue psychotrope Stoffe, darunter HHC, für eine internationale Kontrolle vorgeschlagen hatte. Portugal setzt damit internationale Vorgaben um und veröffentlicht im Zuge der Gesetzesänderung auch sämtliche Anhänge des Drogengesetzes neu, um den aktuellen Rechtsrahmen zugänglich zu machen.

Hintergrund: Verbreitung und Risiken von HHC

HHC tauchte in den vergangenen Jahren als angeblich legale Alternative zu THC in zahlreichen EU-Staaten auf. Anbieter nutzten bestehende Grauzonen in der Regulierung, da das Molekül semisynthetisch ist und in der Cannabispflanze nur in sehr geringen Mengen vorkommt. Industriell wird es meist aus Cannabidiol (CBD) hergestellt. Die Wirkung von HHC ähnelt der von Delta-9-THC, dem Hauptwirkstoff von Cannabis, unterliegt jedoch nicht der in vielen Ländern geltenden 0,3-Prozent-THC-Grenze. Diese Besonderheit ermöglichte den Verkauf von HHC-haltigen Produkten auch in Ländern mit restriktiverer Gesetzgebung.

In Portugal wurden HHC-Produkte in den letzten Jahren in stationären Shops, Verkaufsautomaten und vor allem online angeboten. Das Sortiment reichte von Blüten und Vape-Cartridges bis hin zu Gummibärchen, Keksen und Ölen. In vielen Fällen fehlten Angaben zu Zusammensetzung, Dosis oder möglichen Kontaminanten. Laborkontrollen waren selten. Die schnelle Verbreitung und die unzureichende Datenlage zu Sicherheit, Toxizität und Langzeitwirkungen führten zu wachsender Besorgnis bei Behörden und Gesundheitsexperten.

Europäische Entwicklung: HHC auf dem Rückzug

Portugal folgt mit dem neuen Gesetz der Linie mehrerer europäischer Staaten. In Deutschland wurde HHC bereits im Juni 2024 dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) unterstellt. Österreich hatte das Verbot bereits 2023 umgesetzt. Auch Belgien, Frankreich und Italien griffen in den vergangenen zwei Jahren ein und beschränkten den Verkauf oder Besitz von HHC teilweise erheblich.

Der europäische Umgang mit neuen Cannabinoiden bleibt dabei von nationalen Alleingängen geprägt. Während einige Länder rasch auf neue Stoffe reagieren, entstehen immer wieder regulatorische Lücken, die von Herstellern und Händlern genutzt werden. Portugal schließt mit der aktuellen Entscheidung eine solche Lücke, die insbesondere für den internationalen Versand von HHC-Produkten genutzt wurde.

Whack-a-Mole-Effekt: Behörden warnen vor Verlagerung

Fachleute und Behörden in Portugal betonen, dass das Verbot einzelner Cannabinoide das Grundproblem nicht löst. Sobald eine Verbindung wie HHC reguliert wird, tauchen neue, chemisch leicht modifizierte Varianten auf, die nicht direkt unter die Gesetzgebung fallen. Diese Dynamik, auch als Whack-a-Mole-Effekt bekannt, hat in den letzten Jahren zahlreiche neue synthetische Cannabinoide wie HHC-O, THCP oder H4-CBD hervorgebracht. Die portugiesische Gesetzgebung bleibt daher in einem ständigen Anpassungsprozess.

Das Drogenmodell Portugals, das seit 2001 den persönlichen Konsum von Betäubungsmitteln entkriminalisiert, bleibt davon unberührt. Strafrechtlich verfolgt werden weiterhin Herstellung, Handel und Distribution verbotener Substanzen.

Durchsetzung und Marktbeobachtung

Obwohl das Verbot unmittelbar in Kraft trat, wurden HHC-Produkte nach Angaben der Behörden noch in einzelnen Geschäften, Automaten und vor allem im Internet gefunden. Die Durchsetzung des neuen Rechtsrahmens erfordert einen erheblichen Kontrollaufwand. Die Behörde für Lebensmittelsicherheit und wirtschaftliche Überwachung (ASAE) meldete im Rahmen der "Operação Euforia" die Beschlagnahmung von rund 6.800 Artikeln mit Cannabis-Sativa-Extrakten und die Einleitung von 19 Strafverfahren. Die Abgrenzung zwischen Hanfblüte, CBD-Produkten und synthetischen Cannabinoiden gestaltet sich in der Praxis häufig schwierig.

Auswirkungen auf den deutschsprachigen Markt

Mit dem portugiesischen Verbot schließt sich eine weitere Lücke im europäischen Flickenteppich der Cannabinoid-Regulierung. Bislang konnten Konsumentinnen und Konsumenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz HHC-haltige Produkte aus Portugal bestellen, obwohl der Besitz und Konsum im Heimatland bereits untersagt war. Mit der neuen Gesetzgebung wird diese Versandroute nun unterbunden.

Für die Cannabis-Branche im deutschsprachigen Raum bedeutet das einen weiteren Rückgang legal verfügbarer HHC-Produkte. Gleichzeitig erinnern portugiesische Experten daran, dass neue synthetische Alternativen auf den Markt drängen werden, solange THC selbst strengen Restriktionen unterliegt und der Markt nach legalen Alternativen sucht.

Internationale Perspektive: Regulierung gegen Innovation

Die Regulierung neuer Cannabinoide ist europaweit ein dynamisches Feld. Während einige Staaten auf Verbote setzen, fordern andere einheitliche Standards für Sicherheit, Qualitätskontrolle und Verbraucherinformation. Die UN-Suchtstoffkommission spielt dabei eine zentrale Rolle, indem sie Empfehlungen für die internationale Kontrolle ausspricht, an denen sich nationale Gesetzgeber orientieren.

Die portugiesische Entscheidung steht stellvertretend für den Trend, regulatorische Grauzonen zu schließen und neue Cannabinoide frühzeitig zu erfassen. Ob dies langfristig zu mehr Verbraucherschutz oder lediglich zu einer Verlagerung auf immer neue Substanzen führt, ist offen. Fachleute fordern europaweit mehr Forschung zu Risiken und Wirkungen neuer Cannabinoide sowie eine bessere Datenlage, um politische Entscheidungen fundiert treffen zu können.

Fazit: Portugal schließt die Lücke, Herausforderungen bleiben

Mit dem Verbot von HHC setzt Portugal eine klare Linie und folgt internationalen Vorgaben. Die Dynamik auf dem Markt für neue Cannabinoide wird dadurch jedoch nicht gestoppt. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass sich Hersteller und Händler rasch auf neue, nicht erfasste Moleküle verlegen. Eine nachhaltige Regulierung erfordert daher neben gesetzlichen Anpassungen auch internationale Zusammenarbeit, Forschung und Aufklärung.

Das portugiesische Beispiel verdeutlicht, wie komplex die Kontrolle neuer psychoaktiver Substanzen im europäischen Kontext ist. Die Entwicklung bleibt weiterhin in Bewegung.

Vape-Cartridges und Hanfprodukte in Portugal
Was ist HHC?

HHC (Hexahydrocannabinol) ist ein semisynthetisches Cannabinoid, das aus CBD hergestellt wird. Es wirkt psychotrop und ähnelt Delta-9-THC, kommt aber in natürlichen Cannabispflanzen nur in winzigen Mengen vor.

Ab wann ist HHC in Portugal verboten?

Seit dem 9. Mai 2026 ist HHC in Portugal verboten. Die entsprechende Gesetzesänderung trat unmittelbar nach Veröffentlichung in Kraft.

Welche Produkte sind betroffen?

Alle HHC-haltigen Produkte wie Vape-Cartridges, Blüten, Öle, Gummibärchen und Kekse sind betroffen. Besitz, Verkauf und Konsum sind außerhalb genehmigter Kontexte strafbar.

Wie reagieren Nachbarländer?

Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien und Italien haben in den letzten zwei Jahren ebenfalls Verbote oder starke Restriktionen für HHC erlassen.

Was bedeutet das für den Online-Versand?

Der Versand von HHC-Produkten aus Portugal nach Deutschland, Österreich oder die Schweiz ist nun illegal. Damit schließt sich eine wichtige Versandroute für die DACH-Region.

Quellen

Status von HHC in ausgewählten europäischen Ländern (Stand Mai 2026)
LandVerbot seitRechtsgrundlageBemerkung
Portugal09.05.2026Gesetz Nr. 19-F/2026Aufnahme in Tabelle II-A, vollständiges Verbot
Deutschland01.06.2024NpSGVerbot von HHC und verwandten Stoffen
Österreich2023NPSGVerbot synthetischer Cannabinoide
Frankreich2024Gesetzgebung zu NPSBeschränkungen und Verbote
Belgien2025Königlicher ErlassVerbot HHC und Derivate
Italien2025MinisterialdekretAufnahme in nationale Liste psychotroper Substanzen
Was ist HHC?

HHC (Hexahydrocannabinol) ist ein semisynthetisches Cannabinoid, das aus CBD hergestellt wird. Es wirkt psychotrop und ähnelt Delta-9-THC, kommt aber in natürlichen Cannabispflanzen nur in winzigen Mengen vor.

Ab wann ist HHC in Portugal verboten?

Seit dem 9. Mai 2026 ist HHC in Portugal verboten. Die entsprechende Gesetzesänderung trat unmittelbar nach Veröffentlichung in Kraft.

Welche Produkte sind betroffen?

Alle HHC-haltigen Produkte wie Vape-Cartridges, Blüten, Öle, Gummibärchen und Kekse sind betroffen. Besitz, Verkauf und Konsum sind außerhalb genehmigter Kontexte strafbar.

Wie reagieren Nachbarländer?

Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien und Italien haben in den letzten zwei Jahren ebenfalls Verbote oder starke Restriktionen für HHC erlassen.

Was bedeutet das für den Online-Versand?

Der Versand von HHC-Produkten aus Portugal nach Deutschland, Österreich oder die Schweiz ist nun illegal. Damit schließt sich eine wichtige Versandroute für die DACH-Region.

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